Getränke-Mythen aufgedeckt: Die Wahrheit hinter den Trinklegenden

Am Stammtisch wird bekanntlich allerhand behauptet. Besonders dann, wenn es um Getränke geht. Da soll Bier nach Wein gefährlich sein, Kaffee den Körper austrocknen und ein tüchtiger Schnaps gegen die Kälte helfen.

Manche dieser Weisheiten haben schon unsere Grossväter zum Besten gegeben. Und vermutlich deren Grossväter ebenfalls. Was oft genug wiederholt wird, bekommt mit der Zeit den Anschein einer unumstösslichen Wahrheit.

Dabei lohnt es sich gelegentlich, genauer hinzuschauen. Wir haben sieben besonders beliebte Getränkemärchen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis dürfte einige Stammtischgelehrte in Erklärungsnot bringen.

1. Bier auf Wein, das lass sein!

Diesen Spruch kennt wohl jeder. Wer zuerst Wein und anschliessend Bier trinkt, soll angeblich auf der sicheren Seite sein. In umgekehrter Reihenfolge droht dagegen ein Kater von beträchtlichem Ausmass.

Wie praktisch, dass sich die Wissenschaft dieser Frage angenommen hat.

Im Jahr 2019 veröffentlichten Forschende eine Studie, bei der 90 Freiwillige unter kontrollierten Bedingungen Bier und Wein in unterschiedlicher Reihenfolge tranken. Anschliessend wurde untersucht, wie schlecht es ihnen am nächsten Morgen ging.

Das Ergebnis dürfte Generationen von Stammtischphilosophen enttäuschen: Die Reihenfolge machte keinen nennenswerten Unterschied.

Entscheidend ist vor allem, wie viel Alkohol getrunken wird. Auch das eigene Trunkenheitsgefühl erwies sich in der Studie als aufschlussreicher Hinweis auf den zu erwartenden Kater.

Der alte Reim bleibt damit immerhin ein hübsches Stück Volkskultur.

Die Wahrheit: Wer einen Kater vermeiden möchte, sollte weniger Alkohol trinken. Die Reihenfolge bietet keinen verlässlichen Schutz.

2. Kaffee entzieht dem Körper Wasser

«Zu jedem Kaffee gehört ein Glas Wasser», heisst es. Schliesslich soll Kaffee den Körper austrocknen.

Ganz so schlimm steht es um unseren geliebten Muntermacher allerdings nicht.

Koffein kann tatsächlich die Harnausscheidung anregen. Wer regelmässig Kaffee trinkt, gewöhnt sich jedoch teilweise an diese Wirkung.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 verglich bei 50 Männern den Einfluss von Kaffee und Wasser auf den Flüssigkeitshaushalt. Bei mässigem Kaffeekonsum fanden die Forschenden keine bedeutsamen Unterschiede.

Der Kaffee trug also durchaus zur Flüssigkeitsversorgung bei.

Das Glas Wasser daneben ist trotzdem eine gute Idee. Besonders an warmen Tagen. Und wer gerne einen Espresso bestellt, darf das zusätzliche Wasser ruhig als kleine Aufmerksamkeit des Hauses betrachten.

Die Wahrheit: Kaffee zählt zur täglichen Flüssigkeitsaufnahme. Bei üblichen Trinkmengen trocknet er gesunde, an Koffein gewöhnte Menschen nicht einfach aus.

3. Sekt steigt schneller in den Kopf

Kaum knallt der Champagnerkorken, hört man die Warnung: «Vorsicht, das prickelt schneller!»

Und ausgerechnet hier steckt tatsächlich etwas dahinter.

Britische Forschende untersuchten, wie sich Kohlensäure auf die Alkoholaufnahme auswirkt. Zwölf Versuchspersonen erhielten Champagner mit und ohne Kohlensäure.

Bei der prickelnden Variante stieg die Blutalkoholkonzentration schneller beziehungsweise höher an. Auch die Reaktionsfähigkeit bei einer Aufmerksamkeitsaufgabe war stärker beeinträchtigt.

Die Untersuchung war klein, doch sie lieferte Hinweise darauf, dass Kohlensäure die Aufnahme von Alkohol beschleunigen kann.

Das macht Champagner weder gefährlicher noch harmloser als andere alkoholische Getränke gleicher Menge. Aber wer glaubt, die feinen Bläschen seien bloss für das festliche Aussehen zuständig, unterschätzt ihre mögliche Wirkung.

Die Wahrheit: Kohlensäure kann dazu beitragen, dass Alkohol schneller aufgenommen wird. Wie stark sich das im Einzelfall auswirkt, hängt von verschiedenen Umständen ab.

4. Wodka kann man im Atem nicht riechen

Diese Behauptung erfreut sich besonders bei Menschen grosser Beliebtheit, die meinen, einen heimlichen Schluck geschickt verbergen zu können.

Wodka ist meist farblos und besitzt im Vergleich zu manchen anderen Spirituosen ein eher zurückhaltendes Aroma. Daraus wird gelegentlich geschlossen, dass man ihn nach dem Trinken auch nicht riechen könne.

Leider hat die Natur für solche Wünsche wenig Verständnis.

Alkohol gelangt über das Blut auch in die Atemluft. Deshalb funktionieren Atemalkoholmessgeräte unabhängig davon, ob jemand Wodka, Whisky, Bier oder Wein getrunken hat.

Ob ein anderer Mensch den Alkohol tatsächlich riecht, ist eine andere Frage. Das hängt unter anderem von der getrunkenen Menge, dem zeitlichen Abstand und der individuellen Wahrnehmung ab.

Auf einen unauffälligen Atem sollte man sich jedenfalls nicht verlassen.

Die Wahrheit: Wodka ist für Alkoholmessgeräte genauso nachweisbar wie andere alkoholische Getränke. Und wer getrunken hat, gehört nicht ans Steuer.

5. Ein Schnaps wärmt von innen

Draussen pfeift ein eisiger Wind. Die Finger sind klamm, die Nase rot. Jetzt ein kräftiger Schluck Schnaps, und schon wird einem warm ums Herz.

Zumindest fühlt es sich so an.

Alkohol erweitert die Blutgefässe in der Haut. Dadurch gelangt mehr warmes Blut an die Körperoberfläche. Die Haut fühlt sich wärmer an, und man glaubt, der Kälte erfolgreich ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Tatsächlich kann der Körper dadurch aber mehr Wärme verlieren.

Besonders bei tiefen Temperaturen ist das problematisch. Das angenehme Wärmegefühl täuscht über den tatsächlichen Wärmeverlust hinweg.

Unsere Vorfahren hätten also besser einen zusätzlichen Wollpullover angezogen, statt sich auf die Dienste eines Schnapses zu verlassen.

Die Wahrheit: Alkohol vermittelt kurzfristig ein Wärmegefühl, schützt aber nicht vor dem Auskühlen. Ein heisser Tee und warme Kleidung leisten hier wesentlich bessere Dienste.

6. Dunkles Bier ist stärker als helles

In vielen Köpfen hat sich eine einfache Vorstellung festgesetzt: Je dunkler das Bier, desto höher sein Alkoholgehalt.

Ein tiefbraunes Bier wirkt schliesslich kräftiger als ein helles Lager. Also muss auch mehr Alkohol darin stecken.

Die Farbe verrät darüber allerdings erstaunlich wenig.

Sie entsteht hauptsächlich durch die verwendeten Malzsorten und deren Verarbeitung. Dunkel geröstetes Malz verleiht dem Bier seine braune bis schwarze Farbe und häufig Aromen von Kaffee, Schokolade oder geröstetem Brot.

Der Alkoholgehalt hängt dagegen vor allem davon ab, wie viel vergärbarer Zucker in der Würze vorhanden ist und wie die Gärung verläuft.

So kann ein dunkles Bier vergleichsweise wenig Alkohol enthalten, während ein helles Starkbier einen erheblich höheren Gehalt aufweist.

Wer es genau wissen möchte, wirft deshalb besser einen Blick auf die Etikette.

Die Wahrheit: Die Bierfarbe sagt wenig über den Alkoholgehalt aus. Ein helles Bier kann deutlich stärker sein als ein dunkles.

7. Gegen einen Kater hilft ein Konterbier

Der Morgen danach. Im Kopf hämmert jemand mit einem Vorschlaghammer, der Mund fühlt sich an wie ein ausgetrockneter Schwamm, und der gestrige Abend erscheint plötzlich in einem wenig schmeichelhaften Licht.

In dieser Lage meldet sich gelegentlich ein besonders erfahrener Ratgeber: «Trink ein Bier, dann geht es dir wieder besser!»

Das sogenannte Konterbier gehört zu den ältesten Hausmitteln gegen den Kater.

Tatsächlich kann weiterer Alkohol gewisse Beschwerden vorübergehend überdecken. Das Problem wird dadurch allerdings lediglich verschoben. Die Erholung kann sich verlängern.

Ein verlässliches Wundermittel gegen den Kater gibt es bis heute nicht. Der Körper braucht Zeit, um sich von den Auswirkungen des Alkohols zu erholen.

Wasser oder andere alkoholfreie Getränke, Ruhe und eine leichte Mahlzeit können helfen, den Tag angenehmer zu überstehen. Sie beschleunigen den Alkoholabbau jedoch nicht auf wundersame Weise.

Wer sich näher mit diesem unangenehmen Thema beschäftigen möchte, findet in unserem Beitrag «Was tun gegen einen ausgewachsenen Kater?» weitere Informationen.

Die Wahrheit: Ein Konterbier heilt keinen Kater. Es kann höchstens dafür sorgen, dass man die Beschwerden etwas später wieder begrüsst.

Der Volksmund hat eben auch seine Schwächen

Sieben Getränkemärchen, sieben Gelegenheiten, alte Gewissheiten zu überprüfen. Manche Behauptungen enthalten einen wahren Kern, andere verdanken ihre Beliebtheit hauptsächlich der menschlichen Freude an einfachen Erklärungen.

Besonders bemerkenswert ist dabei, mit welcher Überzeugung solche Weisheiten weitergegeben werden. Wer am Stammtisch dreimal behauptet hat, Wein auf Bier sei grundsätzlich ungefährlich, wird sich von einer wissenschaftlichen Untersuchung kaum sofort umstimmen lassen.

Bei von Arx Getränke halten wir es deshalb lieber mit dem gesunden Menschenverstand. Ein gutes Getränk soll Freude bereiten, und bei alkoholischen Getränken gehört ein verantwortungsvoller Umgang dazu.

Über den Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über die Naturgesetze etwas weniger.

Und falls Ihnen beim nächsten gemütlichen Abend wieder jemand erklärt, dunkles Bier sei grundsätzlich stärker oder ein Schnaps helfe zuverlässig gegen die Kälte, dürfen Sie ihm freundlich widersprechen.

Am besten mit einem Glas in der Hand.

Was darin ist, bleibt selbstverständlich Ihnen überlassen.


Foto: Mit KI-Technologie generiert.

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