Der Abend war gesellig, das letzte Glas offenbar eines zu viel. Nun pocht der Kopf, der Magen protestiert, und das Tageslicht war auch schon angenehmer. In solchen Momenten haben Hausmittel Hochkonjunktur: Rollmops, schwarzer Kaffee, kalte Dusche. Irgendetwas muss doch helfen.
Als Getränkehändler kennen wir uns mit dem aus, was ins Glas kommt. Für den Morgen danach können allerdings auch wir kein Wundermittel anbieten. Ein paar einfache Massnahmen können die Beschwerden erträglicher machen. Bis sich der Körper erholt hat, braucht es vor allem Zeit.
Zuerst etwas trinken – am besten Wasser
Stellen Sie sich ein Glas Wasser bereit und trinken Sie in Ruhe. Wenn Ihnen übel ist, beginnen Sie mit kleinen Schlucken. Leitungswasser eignet sich ebenso wie Mineralwasser. Sie müssen keine grossen Mengen auf einmal hinunterbringen.
Alkohol fördert die Flüssigkeitsausscheidung. Das kann zu Durst, Müdigkeit und Kopfschmerzen beitragen. Trinken hilft gegen den Flüssigkeitsmangel; die übrigen Ursachen eines Katers beseitigt es damit noch nicht.
Beim Frühstück entscheidet der Magen
Ein reich gedeckter Frühstückstisch kann an diesem Morgen eine Zumutung sein. Beginnen Sie mit einer kleinen Portion, auf die Sie Appetit haben: etwas Brot, Zwieback oder eine leichte Suppe. Wer sich beim Gedanken an Rollmops und Essiggurken bereits unwohl fühlt, darf diese Tradition getrost anderen überlassen.
Salzige Lebensmittel sind keine nachgewiesene Katerkur. Auch die Vorstellung, man müsse bloss genügend Mineralstoffe ersetzen, greift zu kurz. Für Elektrolytgetränke ist eine zuverlässige Wirkung gegen den gewöhnlichen Kater nicht belegt.
Ein Konfitürenbrot darf selbstverständlich auf den Teller. Als Frühstück ist es eine Frage des Appetits; ein Mittel, das den Alkoholabbau beschleunigt, wird daraus nicht.
Kaffee ist erlaubt, aber kein Gegenmittel
Die pauschale Warnung, Kaffee und Tee würden dem Körper mehr Wasser entziehen, als sie zuführen, stimmt bei üblichen Mengen nicht. Beide zählen zur Flüssigkeitszufuhr. Wer seine gewohnte Tasse Kaffee gut verträgt, muss deshalb wegen eines Katers nicht grundsätzlich darauf verzichten.
Nüchtern macht der Kaffee allerdings nicht. Auch eine kalte Dusche beschleunigt die Erholung vom Alkohol nicht. Das Gefühl, wieder wacher zu sein, sollte man deshalb nicht mit wiederhergestellter Fahrtüchtigkeit verwechseln.
Den Tag etwas langsamer angehen
Alkohol kann das Einschlafen erleichtern, stört aber den weiteren Schlaf. Entsprechend wenig erholt fühlt man sich am Morgen. Wenn möglich, verschieben Sie anstrengende Vorhaben und gönnen Sie sich Ruhe.
Das «Konterbier» lassen Sie besser stehen. Es kann Beschwerden kurzfristig überdecken und das Unwohlsein verlängern. Auch bei Schmerzmitteln ist Vorsicht angebracht: Paracetamol kann zusammen mit Alkohol die Leber belasten; Ibuprofen und Aspirin können den ohnehin gereizten Magen zusätzlich beanspruchen. Fragen Sie bei Unsicherheit in der Apotheke nach.
Was bereits am Vorabend hilft
Eine Mahlzeit vor dem Trinken verlangsamt die Aufnahme von Alkohol. Besonders fettig muss sie dafür nicht sein, und auch ein voller Magen macht grössere Alkoholmengen nicht unbedenklich.
Hilfreicher als komplizierte Trinkregeln ist ein einfacher Plan: kleinere Portionen wählen, sich Zeit lassen und zwischendurch Wasser oder ein alkoholfreies Getränk bestellen. So lässt sich die insgesamt getrunkene Alkoholmenge reduzieren.
Ob Sie bei einer Sorte bleiben oder zwischen Bier und Wein wechseln, bietet dagegen keinen verlässlichen Schutz. Entscheidend ist vor allem die Alkoholmenge. Sicher vermeiden lässt sich ein alkoholbedingter Kater durch den Verzicht auf Alkohol.
Wann medizinische Hilfe nötig ist
Ist jemand nach dem Trinken kaum weckbar, stark verwirrt oder atmet langsam beziehungsweise unregelmässig, besteht der Verdacht auf eine Alkoholvergiftung. Rufen Sie in der Schweiz 144 und lassen Sie die Person nicht allein.
Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage. Flössen Sie ihr nichts ein. Fehlt die normale Atmung, beginnen Sie mit der Wiederbelebung nach Anleitung der Notrufzentrale.
Für den gewöhnlichen Morgen danach bleibt der Rat weniger spektakulär: etwas trinken, nach Verträglichkeit essen und sich Zeit zur Erholung geben. Und beim nächsten geselligen Abend darf das letzte Glas ruhig ein Mineralwasser sein.
Beitragsbild: mit KI erstellt.
Quellen und weiterführende Informationen
- National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism: Hangovers – Ursachen eines Katers, verbreitete Irrtümer und Hinweise zu Schmerzmitteln.
- Health Service Executive: Hangover – Informationen zu Katerbeschwerden und ihren Ursachen.
- NHS: Dehydration – Hinweise zum Flüssigkeitsmangel und zum Trinken bei Übelkeit.
- Healthy eating: Applying All Our Health – Informationen zur Flüssigkeitszufuhr, einschliesslich Kaffee und Tee.
- Drinkaware: Alcohol poisoning – Hinweise zu Mahlzeiten vor dem Alkoholkonsum und zur Verringerung der Trinkmenge.
- NHS: Alcohol poisoning – Warnzeichen einer Alkoholvergiftung und Erste Hilfe.
- Tox Info Suisse: Erste Hilfe bei Vergiftungen – Notfallhinweise für die Schweiz.
