Warum wir die Gläser aneinanderstossen

Ein lautes Klirren, ein kräftiges «Prost!» – und schon ist die Runde eröffnet. Einer hebt sein Bierglas, die anderen folgen. Wer dabei seinem Gegenüber nicht in die Augen schaut, wird gelegentlich zurechtgewiesen. Das bringe sieben Jahre Pech, heisst es. Wobei niemand so recht erklären kann, weshalb die Sterne ausgerechnet beim Anstossen über unser Schicksal entscheiden sollten.

Auch das Wasserglas sorgt bisweilen für Stirnrunzeln. Mit Wasser stosse man nicht an, behaupten manche. Warum eigentlich? Soll ein ehrlicher Durst weniger wert sein als ein Glas Wein?

Um das Anstossen ranken sich allerlei Geschichten. Eine besonders hartnäckige erzählt von finsteren Zeiten, in denen man die Becher so heftig zusammenschlug, dass der Wein von einem Gefäss ins andere schwappte. Damit, so die Legende, habe man sich gegen Giftmischer geschützt.

Eine hübsche Geschichte. Historisch belegt ist sie allerdings nicht. Und wer jemals versucht hat, zwei volle Weingläser derart zusammenzuschlagen, dürfte ahnen, weshalb diese Methode wenig Anhänger gefunden hätte.

Schon die alten Griechen tranken auf das Wohl ihrer Gäste

Der Brauch, gemeinsam auf das Wohl eines Menschen zu trinken, reicht weit in die Antike zurück. Bei den Griechen gehörten Trankopfer und gemeinschaftliche Trinkrituale zum gesellschaftlichen Leben. Man erhob den Becher zu Ehren der Götter, gedachte eines Freundes oder wünschte jemandem Gesundheit und Glück.

Auch die Römer verstanden etwas vom geselligen Trinken. Bei ihren Gastmählern waren Trinksprüche durchaus üblich. Man trank auf Freunde, Gastgeber und gelegentlich auf Männer, deren politische Stellung einen solchen Ausdruck der Verehrung ratsam erscheinen liess.

Dem römischen Kaiser Augustus soll sogar regelmässig bei den Mahlzeiten zugetrunken worden sein. Ein Kaiser, auf dessen Wohl das ganze Reich trinken sollte, durfte sich jedenfalls über einen gewissen Bekanntheitsgrad freuen.

Die Trinkrituale der Antike sind gut bezeugt. Wann daraus das heute vertraute Zusammenstossen der Gläser entstand, lässt sich hingegen nicht auf einen bestimmten Tag oder einen besonders einfallsreichen Erfinder zurückführen.

Die Sache mit dem vergifteten Wein

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Geschichte von den Giftmischern.

Im Mittelalter, so wird gerne erzählt, seien die Menschen einander beim Trinken grundsätzlich misstrauisch begegnet. Jeder habe befürchten müssen, sein Nachbar könnte ihm etwas Unangenehmes ins Getränk geschüttet haben. Also schlug man die Becher so kräftig gegeneinander, dass der Inhalt hin und her spritzte. Wer Gift in den Wein seines Gegenübers gemischt hatte, musste nun damit rechnen, selbst davon zu trinken.

Das klingt nach einer durchdachten Vorsichtsmassnahme, solange man nicht allzu genau darüber nachdenkt.

Erstens dürfte es schwierig gewesen sein, den Inhalt zweier Gefässe zuverlässig zu vermischen. Zweitens hätte ein entschlossener Giftmischer wohl kaum gewartet, bis sein Opfer zum Anstossen bereit war. Und drittens wäre ein solches Verfahren bei einem festlichen Gelage eine ausgezeichnete Möglichkeit gewesen, Tischdecken, Kleidung und Tischnachbarn gleichermassen mit Wein zu bedenken.

Historische Belege für diese angebliche Entstehung des Anstossens fehlen. Die Erzählung gehört deshalb ins Reich der Legenden.

Sie wird vermutlich trotzdem noch lange weiterleben. Eine Geschichte mit Gift, Misstrauen und klirrenden Bechern ist schliesslich unterhaltsamer als die nüchterne Feststellung, dass manche Bräuche über Jahrhunderte gewachsen sind.

Was bedeutet eigentlich «Prost»?

Wer «Prost!» ruft, bedient sich einer erstaunlich alten Sprache. Das Wort geht auf das lateinische prosit zurück und bedeutet sinngemäss: «Es möge nützen!» oder «Es möge zuträglich sein!»

Die Wunschformel wurde insbesondere in der Studentensprache beliebt. Aus dem etwas feierlichen «Prosit!» entwickelte sich die kürzere Form «Prost!», die heute selbst nach einem langen Abend noch mühelos über die Lippen geht.

Ursprünglich steckt also ein freundlicher Wunsch dahinter: Das Getränk möge dem anderen wohlbekommen.

Ob die alten Römer damit auch einen dritten oder vierten Becher gerechtfertigt hätten, ist nicht überliefert.

Warum müssen wir uns in die Augen schauen?

Beim Anstossen gilt in vielen geselligen Runden eine eiserne Regel: Man schaut seinem Gegenüber in die Augen.

Wer stattdessen die Gläser betrachtet oder bereits nach dem nächsten Häppchen Ausschau hält, riskiert eine Ermahnung. Mitunter wird sogar behauptet, mangelnder Augenkontakt ziehe sieben Jahre Unglück nach sich. Je nach Überlieferung soll dieses Unglück vor allem das Liebesleben betreffen.

Woher diese düstere Prophezeiung stammt, lässt sich nicht zuverlässig feststellen. Einen wissenschaftlichen Nachweis für ihre Wirkung gibt es selbstverständlich ebenfalls nicht.

Der Augenkontakt hat allerdings einen durchaus vernünftigen Sinn. Wer jemandem zuprostet, schenkt ihm für einen Augenblick seine Aufmerksamkeit. Man hebt das Glas gemeinsam, schaut einander an und teilt einen kleinen Moment der Verbundenheit.

Das ist eine schöne Geste. Und sie funktioniert erfreulicherweise auch ohne die Androhung eines siebenjährigen Unglücks.

Darf man mit Wasser anstossen?

Hier scheiden sich die Geister.

Manche Menschen betrachten das Anstossen mit Wasser als ausgesprochen ungehörig. Andere halten es für völlig selbstverständlich. Schliesslich kommt es beim Trinkspruch auf die gute Absicht an und weniger auf den Alkoholgehalt des Getränks.

Die Abneigung gegen das Wasserglas ist vor allem eine Frage überlieferter Trinkgewohnheiten und gesellschaftlicher Vorstellungen. Daraus lässt sich jedenfalls kein allgemeingültiges Verbot ableiten.

Wer bei einem Fest Mineralwasser, Apfelsaft oder ein alkoholfreies Bier bevorzugt, darf seinem Gegenüber also ebenso herzlich zuprosten.

Ein freundlicher Wunsch verliert seine Wirkung schliesslich nicht dadurch, dass im Glas Wasser statt Wein steht.

Andere Länder, andere Trinksprüche

Wer auf Reisen gerne mit Einheimischen ins Gespräch kommt, tut gut daran, wenigstens den landesüblichen Trinkspruch zu kennen.

In Frankreich sagt man «Santé!», in Italien «Salute!» und in Spanien «¡Salud!». Alle drei Ausdrücke wünschen dem Gegenüber Gesundheit.

Die Engländer begnügen sich gewöhnlich mit einem freundlichen «Cheers!», während man in Schweden «Skål!» ruft. In Japan erhebt man sein Glas mit einem «Kanpai!», und in Griechenland hört man häufig «Yamas!».

Manche Länder kennen besonders ausgeprägte Regeln für das gemeinsame Trinken. In Japan beispielsweise spielt die Rücksicht auf Alter und gesellschaftliche Stellung bei förmlichen Anlässen eine wichtige Rolle. Wer einem älteren oder ranghöheren Menschen zuprostet, achtet auf entsprechende Höflichkeitsformen.

In einer Schweizer Beiz geht es meistens etwas unkomplizierter zu. Hier genügt gewöhnlich ein freundlicher Blick, ein gehobenes Glas und ein gut vernehmliches «Proscht!».

Die Sprache mag wechseln, die Geste bleibt ähnlich: Man wünscht einander etwas Gutes.

Und weshalb klirren die Gläser so schön?

Zum Anstossen gehört für viele Menschen das helle Klirren des Glases. Ein feines Weinglas klingt anders als ein kräftiger Bierhumpen, und zwei schwere Steinkrüge geben einen deutlich handfesteren Ton von sich.

Gelegentlich wird behauptet, das Anstossen sei entstanden, damit beim Trinken neben Sehen, Riechen und Schmecken auch das Gehör beteiligt werde. Das klingt reizvoll, ist als historische Erklärung allerdings ebenso wenig gesichert wie die Geschichte vom vergifteten Wein.

Immerhin lässt sich feststellen, dass ein schöner Klang zur festlichen Stimmung beiträgt.

Wer mit besonders dünnwandigen Weingläsern anstösst, sollte dabei etwas Zurückhaltung üben. Die Freude über einen gelungenen Trinkspruch könnte sonst durch das Geräusch zerbrechenden Glases empfindlich getrübt werden.

Auf das Wohl – und auf die Gesellschaft!

Was also bleibt von all den Geschichten, Regeln und Aberglauben?

Das Anstossen ist eine kleine Geste mit einer langen Geschichte. Sie verbindet Menschen, die gemeinsam feiern, etwas erreicht haben oder einfach einen angenehmen Abend verbringen. Man wünscht sich Gesundheit, Glück oder ein gutes neues Jahr. Manchmal erhebt man das Glas auch auf jemanden, der gerade nicht dabei sein kann.

Es braucht dazu weder eine ausführliche Rede noch ein besonders kostbares Getränk. Ein aufrichtiger Wunsch und ein wenig Aufmerksamkeit für das Gegenüber genügen.

Und falls am Tisch wieder einmal jemand behauptet, man müsse aus Angst vor Giftmischern möglichst kräftig anstossen, können Sie ihm die Geschichte nun mit gutem Gewissen erklären.

Bei von Arx Getränke kümmern wir uns gerne um das passende Getränk. Ob Bier, Wein, Mineralwasser oder etwas Alkoholfreies – die Auswahl ist gross genug für die verschiedensten Trinksprüche.

Für das Wohl Ihres Gegenübers sind Sie allerdings selbst zuständig.

In diesem Sinne: Prost! Und schauen Sie einander dabei ruhig in die Augen. Es gehört sich einfach.


Quellen und weiterführende Informationen:

Foto: Mit KI-Technologie generiert.

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